Vorgestellt: PeDSchWork

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Ich bin inzwischen 63 Jahre alt und im April, pünktlich zu Corona, in Rente gegangen. Nach über 50 Jahren kaufmännischer Tätigkeiten, wollte ich mich für den Rest meines Lebens nur noch mit schönen Dingen befassen.

Trotz meiner "Kaufmanns-Seele" war ich immer kreativ. Ich habe gezeichnet, Prosa geschrieben, Theater gespielt (freie Szene), in einer Cover-Band gesungen und auch mehrere Jahre in einem Gospelchor den Alt verstärkt. Weil es in den letzten Monaten mit der Portraitfotografie eher schlecht bestellt war, habe ich mich auch noch auf die Malerei mit Aquarellfarben gestürzt und meine Zeichenkünste auch wieder ein bisschen trainiert. Ich gehe aber auch gerne stundenlang mit der Kamera spazieren und suche nach Motiven, gerne auch mit anderen Fotograf*innen gemeinsam.

Aktuell bin ich übrigens Single und lebe mit 2 Fellnasen (Katzen) in einer Frauen-WG :-).

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Heaven or Hel

Wie und wann hast Du mit der Fotografie angefangen? Was hat Deine Leidenschaft für die Fotografie ausgelöst?

Die Frage, wann ich mit der Fotografie angefangen habe, kann ich gar nicht so richtig beantworten, denn es war ein "schleichender" Prozess. Wenn ich die alte Fotokiste betrachte, die ich von meinen Eltern geerbt habe, wurde in unserer Familie schon immer und bei jeder Gelegenheit fotografiert. Irgendwie war es wohl genetisch vorkodiert, dass ich auch einmal zu diesem Medium greife. Die erste Spiegelreflex, eine analoge Canon EOS 50, habe ich mir 1978 angeschafft.
Als ich mich dann 79 einer Amateurtheatergruppe anschloss, war das Thema Fotografie für die nächsten Jahre abgehakt.
Erst 2007 habe ich wieder eine Kamera in die Hand genommen. Um zu sehen, wie ich mit der Digitalfotografie zurechtkomme, habe ich mir eine Samsung Digimax S500 zugelegt, womit mein „Schicksal“ besiegelt war. Kurze Zeit später gab es die erste digitale Spiegelreflex, eine Canon EOS 350D.

Ursprünglich wollte ich nur Bilder haben, um meine Frust- oder Alltagsprosa zu unterstreichen, in der ich den Tod meiner Eltern oder meine Bruchlandungen in der Liebe verarbeitet habe. Da ich aber niemanden gefunden habe, der „meine“ Sprache spricht, musste ich selbst tätig werden. So hat im Prinzip 2007 alles angefangen.

Vor einigen Jahren habe ich ein kleines e-book über blurb veröffentlicht. Es ist unter dem Titel „Und der Prinz …“ erschienen.

Gibt es eine Person, ein Vorbild oder ein Ereignis, welches Dich während Deiner fotografischen Karriere besonders geprägt hat?

Ich hatte nie einen berühmten oder bekannten Fotografen oder eine Fotografin als Vorbild. Die ersten Jahre habe ich mich ganz auf Blümchen, Gegend, Dinge und Details fokussiert und mich damals auch das erste Mal einer Community angeschlossen, und zwar der fotocommunity. Dort habe ich mich an den Bildern anderer Fotograf*innen orientiert und mich so inspirieren lassen.
Zu der Zeit bin ich auch schnell in Kontakt mit anderen Usern aus der fotocommunity in Kontakt gekommen und traf so auf jimmyshadow, der ausschließlich Portraits in seinem Portfolio hatte (auch heute noch). Ich schrieb ihn an und fragte, ob er mir ein paar Tipps geben könne, denn ich wollte auch gerne Menschen portraitieren, war aber unsicher, ob ich es kann. Er fragte, was ich denn wissen wolle und als ich ihm antwortete: “Alles!“ hat er mich zu einem Shooting-Termin eingeladen, bei dem ich ihm über die Schulter schauen konnte und auch selbst mal auf den Auslöser drücken durfte.
Danach machte ich ein Model über die fotocommunity klar und durfte mich in Jimmys Studio austoben. Er hat mir die ganze Zeit mit dem Licht geholfen und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden.
Nach diesem Erlebnis war mir klar, dass ich genau DAS weiter machen will.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben? Was steht hinter Deiner Art und Weise zu fotografieren?

Lange Zeit dachte ich, keinen Stil zu haben, denn ich probiere immer wieder herum und bin auch bei der Fotobearbeitung immer wieder für Überraschungen gut. Was ich für mich aber in Anspruch nehme ist, dass ich versuche, immer einen „ehrlichen“ Moment einzufangen. Auch wenn es gestellt ist, soll es nicht gestellt wirken. Wahrscheinlich hängt das mit meiner Schauspielerfahrung von 79-95 zusammen. Man wird auch keine übertriebene Beautyretusche bei mir finden. Es soll zumindest nicht nach Plastik aussehen.

If You Life On The Dark Side Of The Moon You have To Shine!

Menschen - besonders thematisch in Szene gesetzt - stehen oft vor Deiner Kamera. Wie bist Du zu diesem Bereich der Fotografie gekommen?

Auch das liegt an der „Drama-Queen“ in mir. Ich inszeniere gerne, erzähle gerne Geschichten oder drücke gerne Emotionen aus. Mit der Fotografie habe ich ein Medium gefunden, das es auf den Punkt bringt. Das Bearbeiten mit Photoshop unterstützt dabei zusätzlich die Wirkung der Bildaussage. Composing macht einen nicht unerheblichen Teil meiner Arbeiten aus.



Was ist bei solchen thematischen Shootings besonders zu beachten? Wie gehst Du vor?

Manchmal ist es ein Ereignis aus dem persönlichen Umfeld, oder ein Lied, ein Video oder Film, um eine Idee zu entwickeln. Wenn ich mit einer Idee schwanger gehe, halte ich Ausschau nach dem passenden Menschen. Dann machen wir uns gemeinsam Gedanken über das Drumherum, also wo, welche Kleidung, wie soll das Make-Up aussehen oder die Frisur. Manchmal, wenn ich bestimmte Bilder schon im Kopf habe, verschicke ich auch Beispielbilder an die Models, dass sie vorab wissen, wie ich es gerne hätte. Ich habe im letzten Jahr endlich jemanden gefunden, mit dem ich das Filmposter zum Antikriegsfilm Birdy nachempfinden wollte. Er hat vor dem Termin auf dem Rand seiner Badewanne geübt, um das Sitzen auf einem dünnen Stahlrohr möglichst lange halten zu können. So viel Einsatz ist sehr selten und ich bin heute noch extrem dankbar dafür.

Du brauchst keine Flügel, um zu fliegen

Welche Ausrüstung benutzt Du? Was eignet sich am besten für Portraitfotografie?

Ich fotografiere aktuell mit einer Canon EOS 5D. Ein sehr gutes Portrait-Objektiv ist die 50er Festbrennweite. Der Vorteil dabei, sie ist leicht und stellt hervorragend frei. Je nachdem, ob ich die Person auch ganz aufs Bild bannen möchte, kommt auch mein 28-105 mm zum Einsatz. Das ist in meinem Kreativbereich nötig, weil ich dort nicht die nötige Weite habe, um das mit dem 50er machen zu können.
Wenn genügend Raum vorhanden ist, setze ich auch sehr gerne mein 90-300 mm Objektiv ein. Auch das stellt Hervorragend frei, so dass der Hintergrund unschärfer abgebildet wird.

Was war oder ist Deine größte fotografische Herausforderung?

Ohne Zweifel gehören Hochzeiten zu den größten Herausforderungen. Ich habe bisher nur 3 standesamtliche Hochzeiten fotografisch begleitet, weil ich die Menschen gut kannte und man mich gebeten hat, aber ich habe erkannt, dass dieses Genre nicht meins ist. Man steht ständig unter Druck und hat eine große Verantwortung. Man kann die Lichtverhältnisse vorher selten prüfen und man ist vor Überraschungen durch Gäste nicht gefeit, die plötzlich ins Bild springen und den Moment vermasseln. Ich habe mir geschworen, dass ich das nicht wieder machen werde. Mir fehlt dafür vielleicht auch das Romantik-Gen und es gibt sehr gute professionelle Hochzeitsfotograf*innen, die jeden Cent wert sind.

Hast Du Erfahrungen in der fotocommunity gesammelt, die Dir bei Deiner Fotografie geholfen haben?

In den ersten Jahren war der Austausch zwischen den Fotograf*innen in der fotocommunity wesentlich reger. Damals hat man nicht nur einen Button gedrückt, sondern auch mal einen Satz hinterlassen, um konstruktive Kritik zu hinterlassen. Das hat auch mir bei meiner Entwicklung weitergeholfen.
Ich hatte so viele „Freunde“ in der fotocommunity, dass ich im Dezember 2010 meinen Traum wahr machen konnte, mal in einem richtigen Studio mit professioneller Beleuchtung fotografieren zu können. Es haben sich 5 Fotograf*innen und 6 Models für meine Idee begeistern lassen und so konnte ich das ganze Studio Fotomagic für einen Tag buchen (8 Stunden) und die 5 verschiedenen Studioräume rocken.
Außerdem habe ich danach noch einen Kurs beim Betreiber des Studios gebucht, in dem es um Lichtsetzung ging. Ohne die fotocommunity hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht.

Fallen lassen

Welches Deiner Shootings (mit Bild in der fotocommunity) war für Dich am aufregendsten und wieso?

Das aufregendste Shooting war das 1. Aktshooting, an dem ich mich versuchen durfte. Damals hatte ich noch keinen eigenen Kreativraum, so dass ich meinen Ess-/Wohnbereich für Shootings nutze. Auch wenn ich das Model schon kannte, war es für mich seltsam, eine nackte Frau in meiner Wohnung stehen zu haben. Durch ein Objektiv rückt man den Menschen doch sehr nah auf den Leib und es ist eine ziemlich intime Situation. Zum Glück hat sich das Model völlig unbefangen vor der Kamera bewegt, so dass auch ich nach kurzer Zeit meine Nervosität ablegen konnte.

Hast Du einen Ratschlag, den Du jemandem mit auf den Weg geben möchtest, der sich an Portraitfotografie probieren will?

Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man im Verwandten- und Bekanntenkreis nach Leuten suchen, die gerne den Kopf hinhalten, um die ersten Schritte zu gehen. Wenn diese Möglichkeit fehlt, lassen sich auch Perückenköpfe hervorragend zum Ausprobieren nutzen. Gerade zum Thema Lichtsetzung ist das wirklich hilfreich, weil man sich alle Zeit der Welt nehmen kann.
Es hilft auch sehr, sich vorab mit der Technik seiner Kamera zu beschäftigen und auszukennen. Man produziert weniger Datenmüll.
Während des Shootings ist es auch nicht falsch, mit dem Model (wenn der Perückenkopf ausgedient hat ?) über Privates zu reden, so dass sich die Aufregung legt. Ich quassle meine Models gerne „besoffen“ und zeige ihnen zwischendurch, was ich gerade mit der Kamera eingefangen habe. Ganz gruselige Fotos lösche ich sofort.
Ganz wichtig! Man fasst das Model nie an, auf jeden Fall nicht ungefragt, um es in Position zu bringen oder um die Kleidung zu ordnen.
Ansonsten bleibt nur zu sagen: „Loslegen und üben, üben, üben!“

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