Vorgestellt: Judith Geiser

Redaktion Vorgestellt Akt 2 Kommentare

Mein Name ist Judith Geiser, und ich lebe mit meiner Familie in der Schweiz in der Nähe von Zürich.

Meine Brötchen verdiene ich mit meiner Arbeit als Lehrerin in der Grundschule. Die Fotografie ist mein Ausgleich, ein Ort, wo ich meine Kreativität ausleben kann.

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Was war, was ist und kommen wird

Was war, was ist und kommen wird

Kalender 2019

Kalender 2019

Triologie

Triologie

Morgenstunde

Morgenstunde

Wie und wann hast Du mit der Fotografie angefangen? Was hat Deine Leidenschaft für die Fotografie ausgelöst?

Fotografiert habe ich eigentlich schon immer gerne, doch erst, als ein befreundeter Fotograf mir das Zusammenspiel von Zeit und Blende erklärt hatte, ging für mich eine ganz neue fotografische Welt auf.
Ich erinnere mich gut: Wir waren bei Minustemperaturen im Wald, und ich fotografierte in meiner Faszination eine Belichtungsreihe nach der andern rauf und runter, bis ich nach zwei Stunden völlig durchfroren war und kaum noch meinen Finger am Auslöser bewegen konnte.
Nach diesem Erlebnis war für mich klar, dass ich mich sobald als möglich in einem Foto-Workshop weiterbilden würde.
Zuerst wollte ich an einer Fotoreise nach Aegypten teilnehmen, doch dann stolperte ich über einen Akt-Workshop in Südfrankreich und dachte mir, dass ich den Zugang zur Landschaftsfotografie eher auch allein schaffen würde. Die Aktfotografie aber war für mich noch völlig neu. So meldete ich mich ohne jegliche Erfahrung in diesem Bereich der Fotografie an und wusste gar nicht so recht, was mich erwartet. Gefällt es mir? Kann ich das? Und kann ich am Ende der Woche überhaupt noch nackte Menschen sehen, oder bin ich es dann völlig leid? Mit diesen Fragen im Gepäck reiste ich nach Südfrankreich und wurde von mir selber überrascht.

Vom ersten Moment an packte mich die Leidenschaft für die Aktfotografie, und ich tauchte in eine völlig neue Welt ein. Diese Leidenschaft ist bis heute geblieben.

Haus der Erinnerungen

Haus der Erinnerungen

Gibt es während Deiner gesamten fotografischen Karriere etwas, das Dich geprägt hat?

In meinen elf Jahren als Aktfotografin habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, Models wie auch andere Fotografen.
Oft drehen sich die Gespräche um Fotografie und die geplanten oder gemachten Bilder.

Es sind diese Menschen und Begegnungen, oft auch die kleinen und unspektakulären Momente, die mich geprägt und weitergebracht haben.

Hast Du Vorbilder? Wenn ja, erzähl uns doch, warum gerade diese/r Fotograf/in Dein Vorbild ist.

Fotografen kenne ich viele, doch Vorbilder kann ich keine mit Namen nennen. Ich schaue mir oft Bilder an, von bekannten wie auch von unbekannten Fotografen, und vieles, was ich sehe, beeinflusst mein fotografisches Schaffen. Hier sehe ich ein Bild, das mich beeindruckt, dort eine Aufnahmetechnik, die ich gern ausprobieren möchte, dann woanders wieder eine ungewöhnliche Bildidee, die mir gefällt. Sagen wir so, ich picke meine Inspirationen von ganz verschiedenen Fotografen zusammen und versuche so, meinen eigenen Bilderstil zu entwickeln.

Morgentoilette

Morgentoilette

Erinnerst Du Dich an das erste Foto, das Du gemacht hast und auf das Du wirklich stolz warst?
Schattenspiele

Schattenspiele

Dieses Bild entstand an meinem ersten Tag als Aktfotografin. Ich stand mit meinem Workshopleiter auf einem Balkon, wo das Geländer ein wunderschönes Schattenmuster auf das Model malte, das auf dem Boden lag. Der Workshopleiter wieselte aufgeregt herum und rief immer wieder: Ich sehe ein Bild, ich sehe ein Bild! Als ich an der Reihe war, war mir nicht wirklich klar, was denn die ganze Aufregung sollte. Ich drückte mal so und mal so ab, hielt die Kamera mal gerade und dann wieder schräg. Und als ich bei der abendlichen Bildbesprechung diese Aufnahme zeigte, wurde der Workshopleiter bleich und rief: Dieses Bild habe ich gesucht! Er war nicht auf die Idee gekommen, die Kamera schräg zu halten. Und diese Geschichte war für den Rest der Woche der Brüller, dass ich an meinem ersten Tag als Aktfotografin unabsichtlich dem Workshopleiter das Bild geklaut hatte.

Wenn Du Deine aktuellen Arbeiten mit Deinen ersten Fotos vergleichst: Was fällt Dir auf? Was hast Du in dieser Zeit für Dich gelernt?
Zwischen HImmel und Erde

Zwischen HImmel und Erde

Es gibt Bilder aus meinen Anfängen, die mir auch heute noch gefallen.
Doch habe ich mich sicher technisch weiter entwickelt.
Ich kann meine Kamera einfacher und besser bedienen und kann gewisse Effekte gezielt einsetzen.
Dies gibt Sicherheit, sich ganz auf die Bildidee zu konzentrieren.
Von den Ideen her bin ich sicher mutiger geworden und wage mich auch einmal an verrückte Ideen.
Während meiner ersten Aufnahmen war ich noch sehr auf der Suche nach meinem eigenen Bilderstil und nach neuen Ideen.
Ich kann nicht sagen, dass ich schon vollkommen dort angekommen bin, wo ich hin will, doch ich bin auf dem Weg dazu.

Gibt es ein bestimmtes Genre, das Du bevorzugst? Wie würdest Du den Stil Deiner Fotos beschreiben?

Ich fotografiere vor allem Aktbilder. Ich mag einerseits sehr grafische und athletische Bildideen, auf der anderen Seite darf es aber auch romantisch und zurückhaltend sein, dann wieder frisch und frech. Wichtig ist es mir aber dabei immer, dass meine Bilder ästhetisch und kunstvoll sind.

Alte Verbindungen kappen

Alte Verbindungen kappen

Verfolgst Du bei der Aufnahme Deiner Fotos einen kreativen Prozess oder kommen sie immer natürlich zustande und hängen vom Moment und der Situation ab?
Lichtkegel

Lichtkegel

Eigentlich habe ich immer ein Thema oder eine Bilderreihe, an der ich arbeite, oft über Monate oder Jahre. Für solche Aufnahmen investiere ich sehr viel Zeit, und überlege mir ein Konzept, das weit über das einzelne Shooting hinaus geht. Erst, wenn ich das Gefühl habe, mein Potenzial dazu ausgeschöpft zu haben, wende ich mich dem nächsten grossen Thema zu.

Daneben bleiben auch genug Gelegenheiten, andere Ideen zu fotografieren. Im Studio bin ich immer sehr gut vorbereitet und überlege mir den Ablauf des Shootings genau, um unnötige Umbaupausen zu vermeiden. Bin ich aber draussen unterwegs, lasse ich mich spontan von
dem leiten, was gerade da ist. Gerade bei Outdoorshootings lässt sich nicht immer alles haargenau planen. Mal hat es Wind, mal Wolken, dann wieder strahlender Sonnenschein. Da nimmt man, was man bekommt und macht das beste daraus.

Möchtest Du Deine Fotoausrüstung beschreiben? Was verwendest Du normalerweise, was sind Deine Präferenzen in Bezug auf die Ziele?
Arial net

Arial net

Ich muss gestehen, Diskussionen über Kameras, Objektive, Filter und dergleichen langweilen mich unendlich. Meine Ausrüstung ist mein Werkzeug, das ich für die Umsetzung von meinen Bildern brauche, nicht mehr und nicht weniger. Ein Schreiner spricht ja auch nicht immer darüber, wie toll sein neuer Hobel ist, sondern am Schluss zählt das Resultat. Oder anders gesagt, was nützt die teuerste und beste Ausrüstung, wenn der Fotograf keine Idee und keinen Blick für gute Bilder hat?

Aber weil es alle ja immer sooooo sehr interessiert, hier in Kürze:
- zwei Kameras (Nikon D 700/ Nikon D 810)
- verschiedene Objektive, vorzugsweise Festbrennweiten, wobei das 50mm/1.4 mein absolutes Lieblingsobjektiv ist.
- Stativ, Reflektor, Graufilter, ...

Und daneben besitze ich ein Fotostudio mit vier Elinchrom-Blitzen und diversen Lichtformern.

Felsenfest

Felsenfest

Erzähl uns eine seltsame, lustige oder andere „fotografische „ Anekdote, die Du erlebt hast.

In einem wunderschönen Zauberwald wollten wir romantische Bilder mit einem langen weissen Schleier machen, als wir von lautem Kriegsgeheul gestört wurden. Zu unserem Schrecken brach ein bewaffneter Krieger aus dem Gebüsch und rannte an uns vorbei. Ein zweiter, dritter und vierter Kämpfer tauchte auf, nicht weniger laut als der erste. Es dauerte eine Weile, bis wir merkten, dass dies kein Angriff auf uns war, sondern dass es sich hier um Jugendliche handelte, die mit Waffenattrappen zusammen Krieg spielten. Und da sie uns nicht beachteten, liessen wir uns auch nicht weiter stören. Und so fotografierten wir wunderschöne und zarte Bilder, während in unserem Rücken Kriegsgeheul und Waffenlärm dröhnte.

Ode an die Sonne

Ode an die Sonne

Gibt es ein Foto, das Du gerne gemacht hättest, das Du aber noch nicht aufnehmen konntest?

In meinem Kopf gibt es unzählige Bildideen, die ich noch umsetzen will. Und damit ich sie nicht vergesse, liegt auf meinem Schreibtisch immer ein Notizbuch, wo ich mir meine Ideen notiere. Habe ich sie dann wirklich zu meinen Zufriedenheit umgesetzt, reisse ich die Seite aus meinem Notizbuch raus, und es gibt wieder Platz für neue Ideen. Ja, ich kann sagen, es gibt noch viele Bilder, die ich noch machen will, und das ist mein Antrieb, meine Leidenschaft.

Was war oder ist Deine größte fotografische Herausforderung?

Ich bereite mir gern gründlich auf ein Shooting vor und stimme meine Bildideen gern mit den Vorzügen eines Models ab. Schwierig wird es dann, wenn ein mir vorher unbekanntes Model von acht Jahren Tanzerfahrung schreibt und ich dann bei der Umsetzung meiner Ideen zum Thema Tanz so gar nichts Anmutiges oder Tänzerisches feststellen kann. Also sind die geplanten Ideen nicht umsetzbar. Da bleibt einem nur, alles zu kippen und auf die Schnelle sich etwas Neues zu überlegen. Das nennt man wohl Spontanität.

Was sind die Eigenschaften, die Deiner Meinung nach ein gutes Foto ausmachen?
Von Wellen umspült

Von Wellen umspült

Heute braucht es im Zeitalter der Bilderflut von Instagram und Co viel, um aus der Menge herauszustechen.

Bei einem guten Bild bleibt der Blick des Betrachters hängen, weil es etwas an sich hat, das fasziniert. Dies kann eine emotionale Szene sein, eine besondere Bildidee, ein spannender Lichteinfall, eine überraschende Perspektive, eine ungewohnte Handlung, eine bestechende grafische Bildgestaltung, ein ungewohnter Bildschnitt ........

Die technische Umsetzung ist ein Teil davon, für mich aber niemals an erster Stelle. Was soll ich mit einem technisch perfekten Bild, das todlangweilig ist? Dann lieber ein Foto, das nicht bis aufs letzte Pixel scharf ist, dafür aber eine interessante Geschichte erzählt.

Welches der Fotos, die Du in die fotocommunity hochgeladen und präsentiert hast, ist bei den Nutzern am beliebtesten und warum denkst Du, ist das so?

Ich denke es könnte dieses Bild sein:

Alpenrosen

Alpenrosen


Dieses Bild ist während einer Wanderung entstanden.

Das Model hatte mich für ein paar Tage besucht, und ich wollte ihr die Schweizer Berge zeigen. Leider wurden wir vom Regen überrascht und mussten uns unterstellen. Das Bild entstand kurz nachdem der Regen aufgehört hatte.
Deshalb ist das Licht sehr mild und die Farben zeigen sich wunderschön. Wir hatten einen tolle Zeit zusammen, und ich glaube, man sieht, dass sich die Frau auf dem Bild wohl fühlt und entspannt ist.
Deshalb wirkt das Bild harmonisch und glaubwürdig. Und es bestätigt meine Theorie, dass man auf dem Bild sieht, ob die Person auf dem Bild nur vorgibt, entspannt zu sein oder es wirklich ist.

Arbeitest Du gerade an einem neuen Projekt? Erzähl uns von davon.
Kristallklar

Kristallklar

Ich suche zur Zeit Wege, mit meinen Bildern mehr in die Tiefe zu gehen.

Nur eine schöne Frau oder einen attraktiven Mann vor einer schönen Kulisse abzulichten, befriedigt mich je länger, je weniger.
Solche Bilder gibt es wie Sand am Meer, und es gibt wenig, was dem Betrachter dann wirklich in Erinnerung bleibt.
Ich möchte mehr Authentizität in meine Bilder bringen.
Es darf ruhig auch einmal skurril sein.
So bin ich zur Zeit auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen und nach Bildideen, die man noch nicht tausendfach gesehen hat.

Hast Du einen Ratschlag, den Du jemandem mit auf den Weg geben möchtest, der mit der Fotografie gerade erst beginnt?

Wer mit Aktfotografie beginnen möchte, erprobt sich oft zuerst einmal an seiner Partnerin oder Partner mit dem Ergebnis, dass man oft enttäuscht ist.
Ich empfehle immer, zuerst einmal einige Workshops zu machen, am besten bei verschiedenen Fotografen. Dort arbeitet man mit einem erfahrenen Model und hat den Workshopleiter als Unterstützung. Und nach diesen ersten Erfahrungen ist es auch viel einfacher, ein Model zu finden und eigene Ideen zu verwirklichen.

Daneben rate ich allen Fotografen, unabhängig davon, was fotografiert wird, sehr streng mit sich selber zu sein. Ich beobachte immer wieder, dass viele Fotografen schnell mit sich und den gemachten Bildern zufrieden sind und die Fotografenplattformen mit Mengen von schlechten oder mittelmässigen Bildern überschwemmen. Ich rate dazu, sich kritisch mit den Bildern auseinander zu setzen und nur die besten Bilder zu zeigen.

Leselust

Leselust

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