Vorgestellt: Håggard Photography

Redaktion Vorgestellt Konzept, Landschaft 4 Comments

Seit 2007 beschäftigt sich Ronny intensiv mit der Fotografie, die ihn 2010 zu der Gründung seines Projektes „Håggard Photography“ brachte. Seitdem arbeitet der preisgekrönte Fotograf und Buchautor für diverse Auftraggeber, wie Hotels, Restaurants, Zeitungen, Print- und Online-Magazine, versucht aber seine freien Arbeiten immer im Auge zu behalten.

Um sich selbst nicht zu verlieren und immer wieder in seinen Foto zu entdecken verbringt Ronny Behnert so viel Zeit wie möglich auf Reisen in die unterschiedlichsten Länder. Seine Fotoserien aus Skandinavien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Spanien, Japan und Venedig wurden bereits in namhaften Fotomagazinen präsentiert.

Seit 2019 ist Ronny Behnert außerdem Co-Fotograf für den bekannten und beliebten Filterhersteller Haida und erweitert die Samyang-Gemeinschaft als Markenbotschafter seit 2020.

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Wie und wann hast Du mit der Fotografie angefangen? Was hat Deine Leidenschaft für die Fotografie ausgelöst?

Die Fotoleidenschaft hat mich vor etwa 13 Jahren, im Jahr 2007, gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Ich war schon immer recht kreativ in vielen Bereichen meines Lebens, was ich wahrscheinlich mütterlicherseits vererbt bekommen habe. Meine Mutter hat in jungen Jahren viel gezeichnet und ist auch heute noch kreativ unterwegs, sodass ich mich bereits im Alter von 10 Jahren am Zeichnen eigener Comics versucht habe. Ich fand Gefallen daran und habe den Beruf des Comiczeichners als meinen neuen Traumberuf auserkoren. Leider geht das Leben manchmal seltsame Wege, sodass dieser Berufswunsch irgendwann zerplatzte und ich aufgrund einer Kreativsperre Zettel und Stift für immer bei Seite gelegt habe.

Wenige Jahre später stolperte ich eher durch Zufall über die Fotografie als ich mir die Digitalkamera eines Freund ausgeliehen habe um mir die Zeit zu vertreiben. Von diesem Zeitpunkt an begleitet mich die Fotografie bis zum heutigen Tag und ich kann mich an keinen einzigen Tag erinnern an dem ich nicht mit oder für die Fotografie gearbeitet habe.

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Gibt es eine Person, ein Vorbild oder ein Ereignis, welches Dich während Deiner fotografischen Karriere besonders geprägt hat?

Der wohl prägendste Fotograf, den ich bis jetzt leider nie persönlich kennen gelernt habe, ist Josef Hoflehner, der für mich noch immer die Spitze der Fine Art Fotografie anführt. Seine frühen Arbeiten, schwarzweiße Langzeitbelichtungen und seine sehr spezielle Art der Reisefotografie, die alles auf den Punkt bringt, diente mir besonders in den ersten Jahren immer wieder als Inspiration.





Wie bist Du zu dem Projekt "Håggard Photography" gekommen? Was steckt dahinter und was bedeutet "Håggard" eigentlich?

Meine Antwort liest sich eventuell wie die eines alten Mannes, aber ich komme aus einer Zeit, in der es modern war sich ein Pseudonym zu geben. Dazu finde ich meinen Vornamen wahnsinnig unattraktiv, sodass ich beschloss mir einen Künstlernamen zu verpassen. Der Name Haggard kommt aus dem Angelsächsischen und bedeutet soviel wie „Der Wilde“, was auf meine turbulente Kinder- und Jugendzeit zurück zu führen ist. Die offizielle Ausreise aus der ehemaligen DDR, viele Umzüge in die verschiedensten Städte Deutschlands und andere prägende Phasen, haben mich lange nicht zur Ruhe kommen lassen. Vielleicht ist auch das der Grund für meine Fotos, von denen oft behauptet wird, sie würden eine besondere Stille und Harmonie ausstrahlen.

Der zweite Grund für die Namenswahl ist der Charakter des König Haggard im Zeichentrickfilm „Das letzte Einhorn“ aus meinem Geburtsjahr 1982. Die pathetische Figur des einsamen Königs in seiner Burg aus Stein, der sein Leben lang auf der Suche nach etwas war, fasziniert mich und ein Stück weit kann ich mich mit diesem Charakter identifizieren.

Der Kringel auf dem A ist reine Deko und hat keine tiefere Bedeutung.

bentenjima

Du bist stets viel auf Reisen. Welches der besuchten Länder hat Dich, aus fotografischer Sicht, bisher am meisten beeindruckt und warum? 

Eigentlich hat mich jedes besuchte Land auf seine eigene Art und Weise beeindruckt. Ich bin verliebt in Italien und das dort vorherrschende Lebensgefühl. Ich fühle mich tief verbunden mit den skandinavischen Ländern und deren Landschaften. Die vereinigten Arabischen Emirate haben mich aufgrund ihrer gewaltigen Unterschiede und Kontraste verzaubert. Das Land, das mich aber am nachhaltigsten beeindruckt hat, ist Japan. Nicht nur aus fotografischer Sicht erfüllt dieses Land in mir die Sehnsucht nach Frieden, Stille und Perfektion. Die japanischen Charakterzüge, Traditionen und Landschaften transportieren eine starkes Gefühl von Harmonie, das mir besonders in der heutigen Zeit sehr wichtig ist, in der die Leute ihre politischen Lügen und Falschmeldungen am laufenden Band herausbrüllen um unsere Gesellschaft in eine Monokultur ohne fremde Einflüsse führen möchten.

Gibt es ein bestimmtes Genre, das Du bevorzugst? Wie würdest Du den Stil Deiner Fotos beschreiben?

Ich bewege mich überwiegend in den Bereichen der Architektur- und Landschaftsfotografie, wobei ich mich in den letzten Jahren auch immer wieder immer wieder in anderen Genres versucht habe. Im Fotografieren von Portraits, Makros und Sportaufnahmen bin ich nicht gänzlich ungeübt, aber mein Herz schlägt dann doch mehr für urbane, architektonische und landschaftliche Motive.

Wie viele andere Fotografen nutze ich die unterschiedlichsten Filtertypen, wie Neutraldichte-, Verlaufs-, Pol- und Infrarotfilter um meinen Fotos einen speziellen Look zu verpassen und meine favorisierten Motive in jedem Foto eine spezielle Bühne bieten möchte indem ich sie so minimalistisch und klar wie möglich präsentiere.

Deine Aufnahmen setzten eine intensive Planung voraus. Kannst Du uns beschreiben, wie Du bei Deinen Fotos vorgehst?

Für gute Fotos bedeutet eine gewisse Planung das A und O. Ich lasse mich zwar gern überraschen, jedoch nur wenn die Überraschung positiver Natur ist. Aus diesem Grund finde ich es besonders wichtig einen potentiellen Fotospot zu kennen um die gegebenen Aufnahmeverhältnisse einschätzen zu können. Außerdem ist es wichtig zu wissen wo sich Sonne, Mond und Sterne zu welcher Uhr-, Tages- und Jahreszeit befinden um die eigenen Vorstellungen der fertigen Fotoaufnahme so gut es geht realisieren zu können.

Neben den vorherrschenden Lichtverhältnissen spielt auch das Wetter eine große Rolle, sodass ich vor jedem Fotoausflug kurzfristig die vorhergesagten Wetterkonditionen überprüfe um eine Entscheidung zu treffen ob sich der Ausflug lohnen könnte oder nicht.

Vor meinen Fotoworkshops übernehme ich i.d.R. außerdem eine Vorkontrolle aller geplanten Fotospots, und überprüfe kurz ob unvorhergesehene Baustellen oder Änderungen seit meinem letzten Besuch aufgetreten sind um so gut vorbereitet wie möglich zu sein.

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Heydar Aliyev Centre



















Welche Ausrüstung benutzt Du? Was eignet sich am besten für die Langzeitbelichtungen?

Ich fotografiere mit einer Sony a7r IV und mit einer Sony a6000, wobei sich bei Langzeitbelichtungen keine generelle Aussage darüber treffen lässt welches Kameramodell das Geeignetste ist. Wichtiger sind die Werkzeuge, die notwendig sind um eine Langzeitbelichtung zu erstellen.

Neben einem stabilen Stativ für verwacklungsfreie Aufnahmen sind sogenannte Neutraldichtefilter, auch Graufilter genannt, wichtig, die aufgrund ihrer abgedunkelten Beschichtung die Belichtungszeit verlängern sobald sie vor dem Objektiv befestigt werden.

Ich fotografiere mit Graufiltern des Herstellers Haida aufgrund ihrer zuverlässigen Farbneutralität und nutze je nach gewünschtem Langzeitbelichtungseffekt Filterstärken zwischen ND 0,9 und ND 6,0. Schwache Graufilter verlängern die Belichtungszeit nur minimal wohingegen starke Graufilter Belichtungszeiten von 6 Minuten und länger problemlos zulassen.

Um meine Langzeitbelichtungen verwacklungsfrei auszulösen verwende ich dafür einen Infrarot-Fernauslöser.

In meinen Workshops tauchen wir besonders tief in die Materie ein und ich erkläre von A-Z was notwendig ist um stimmungsvolle und effektive Langzeitbelichtungen zu erstellen.

Was war oder ist Deine größte fotografische Herausforderung?

Meine fotografische Selbständigkeit begann mit meinen wohl größten Herausforderungen, die mir spontan einfallen.

Damals lebte ich auf der Insel Sylt und die Redaktion der Kieler Nachrichten meldete sich bei mir, um mich mit meinem ersten Fotoauftrag ins Kalte Wasser zu schubsen. Innerhalb von 5 Tagen sollte eine komplette Fotostrecke über Sylt im Winter produziert werden. Dieser Winter brachte seit 30 Jahren den ersten Schnee auf die Insel, sodass dieses Highlight etwas ganz Besonderes war. Da ich nicht wusste worauf es ankommt habe ich rein intuitiv meine Fotos geschossen, mich auf Sylter Sehenswürdigkeiten konzentriert und versucht viel Abwechslung in die Motive und Tageszeiten zu bringen. Nach schlaflosen Tagen und Nächten war die Strecke im Kasten und wurde gedruckt. Die Redaktion war zufrieden, ich erhielt mein erstes verdientes Geld und wurde im Anschluss mit weiteren Aufträgen für die Zeitung belohnt.

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Hast Du Erfahrungen in der fotocommunity gesammelt, die Dir bei Deiner Fotografie geholfen haben?

Absolut! Ich bin jetzt seit vielen Jahren in der Fotocommunity angemeldet und habe hier meine ersten Gehversuche hochgeladen, die ich leider irgendwann gelöscht habe.

Zu Beginn hat mir die breite Auswahl an fotografischen Genres geholfen, mir meine Lieblingsbereiche herauszupicken und mich darin zu spezialisieren. Zudem diente mir die Fotocommunity immer als Inspirationsgeber. Der Austausch vieler Fotografen untereinander hat mir selbst oft geholfen mich durch sachliche Verbesserungsvorschläge und Tipps zu verbessern und meiner Fotografie eine eigene Richtung zu geben.

Das Anschauen von Fotos anderer Fotografen finde ich besonders wichtig, um sich weiterzuentwickeln und auch nach über 13 Jahren fotografieren ist es mir immer wichtig gewesen meine Art der Fotografie zu perfektionieren oder andere, neue Wege zu gehen.

Erzähl uns eine seltsame, lustige oder andere "fotografische" Anekdote, die Du erlebt hast.

Eine Situation, die mich lange beschäftigt hat, fand vor vielen Jahren an der berliner Philharmonie statt. Ich hatte einen langen, anstrengenden Arbeitstag, war müde aber wollte abends ein paar Details dieses Bauwerks aufnehmen.

Ein menschenleerer Blickwinkel sollte mir den nötigen Entspannungsmoment bringen, doch schnell bekam ich Besuch eines recht verwirrten, alten Mannes, der sich dicht neben mich stellte und meine Kamera beäugte und seine Hände waren nicht mehr weit davon entfernt sich an dem Gerät zu vergreifen. Ich war eh schon ziemlich gereizt und habe ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass ihm ein paar Schritte nach hinten gut tun würden. Ein Wort kam ins Andere und am Ende sagte er einen Satz, der mich getroffen und zum Nachdenken gebracht hat. "Der Charakter macht das Bild."

Zwar war dieser Mann schon sehr distanzlos und uneinsichtig, was seine körperliche Nähe zu mir und meiner Kamera anging (in Berlin weiß man leider nie, was für Gestalten umherlaufen), aber meine Reaktion hätte durchaus freundlicher ausfallen können. Denn er hatte Recht. Das Foto landete nach Sichtung auf dem Laptop im Papierkorb, da meine eigene negative Stimmung verknüpft war mit dem Motiv und dem Foto.

Diese Situation hat mich zwar nicht fotografisch, aber zumindest menschlich geprägt und meine Selbstreflektion aktiviert, wofür ich dem Herren noch immer dankbar bin.

Welches der Fotos, die Du in die fotocommunity hochgeladen und präsentiert hast, ist Dein persönliches Highlight und warum ist es das?

Eines meiner fotografischen Highlights ist auf diesem Foto zu sehen. Die MSC Musica, ein gewaltiges Kreuzfahrtschiff, passiert den Giudecca Canal in Venedig. Vorweg möchte ich betonen, dass ich kein Fan der Kreuzfahrtschiffe in Venedig bin. Mittlerweile fahren nur noch wenig große Kreuzer durch den Kanal und in naher Zukunft werden diese Kolosse der Meere nicht mehr so nahe an diese zerbrechliche Stadt heranfahren dürfen.

msc musica

Es steht jedoch außer Frage, dass dieses Motiv fotografisch gesehen etwas sehr Besonderes ist und ein bisschen Planung und Geduld notwendig war um das Foto aufzunehmen.

Dank des venezianischen Hafenfahrplans lässt sich relativ schnell herausfinden, wann welche Frachter und Kreuzer im Hafen anlegen und zu welcher Uhrzeit sie wieder auslaufen. Da ich Venedig sehr gut kenne, weiß ich sehr gut von welchen Spots ich das geplante Kreuzfahrtschiff am besten fotografieren kann, sodass nur noch eine wirkungsvolle Bildkomposition und etwas Wartezeit notwendig war, bis der Gigant in meinen gewählten Ausschnitt fuhr. Mit einer Belichtungszeit von etwa 10,0 Sekunden blieb mir in dieser Situation nur ein Versuch bevor der Kirchturm San Giorgios vom Schiff verdeckt werden würde. Mit etwas Übung und Erfahrung, lässt sich der optimale Auslösezeitpunkt und die Dauer der Verschlusszeit sehr gut abschätzen, sodass ich das Foto am Ende im Kasten hatte und zufrieden abbauen konnte.

Hast Du einen Ratschlag, den Du jemandem mit auf den Weg geben möchtest, der sich an Langzeitbelichtungen oder Schwarzweiß-Fotografie probieren will?

Auch wenn mich einige Fotografen dafür steinigen möchten, aber besonders Beginnern empfehle ich am Anfang das Nachfotografieren von Fotos erfahrener Fotografen um ein Gefühl dafür zu bekommen, warum sich der Fotograf für seine gezeigten Motive entschieden hat und sie aus den gezeigten Perspektiven fotografiert hat.

Dieses Gefühl ist wichtig, um einen eigenständigen Weg einzuschlagen und eine eigene Handschrift zu entwickeln.

Außerdem ist es wichtig nur das zu fotografieren, wofür das eigene Herz schlägt. Sagt ein Motiv dem Fotografen nicht zu, wird die Abneigung i.d.R. auch im Bild transportiert.

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Comments 4

  1. Schon sehr lange folge ich diesem Fotografen und seinen wunderbaren Bildern und staune und lasse sie auf mich wirken.
    Ein sehr gelungenes Interview. Diese Gedanken und Ansichten zu lesen inspiriert sehr.
    Es stimmt, es gibt Bilder, die berühren die Seele.
    Ich wünsche noch viele schöne Fotos und unermüdliche Kreativität.
    LG Bärbel

  2. Als Wahlberliner bin gestern durch die Bilder inspiriert zur Waschmaschine gefahren und es wurde mir bestätigt, dass die Leistung, die hinter den Bildern stecken schon sehr hoch ist.

    Einfach nur eine Langzeitblichtung reicht nicht, sondern auch der richtige Zeit- und Standpunkt.

    Hut ab vor den Bildern und Respekt vor den Leistungen

  3. Respekt!
    Superlative sind immer schwierig, aber ich kenne nur ganz wenige Aufnahmen, die schon bei der Betrachtung am iPhone so eine (majestätische) Ruhe ausstrahlen. Weiteren Bilder von Ihnen kenne ich noch nicht, aber das hier sind wunderbare Aufnahmen! Es gibt Aufnahmen, die bei mir die Seele berühren, diese gehören dazu! Danke

  4. Viele beendruckende Arbeiten. Persönlich kenne ich ihn noch nicht, aber es gab immerhin schon ein paar digitale Begegnungen… wenn ich mal wieder nach Berlin komme, sollten wir mal einen Kaffee oder Ähnliches trinken…
    Weiter so, ich schaue immer wieder gerne in Deine Arbeiten.

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