Vorgestellt: Andreas Henschel

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Hallo, mein Name ist Andreas.
Ich wurde 1970 am schönen Bodensee geboren. Mitte der 80er Jahre zog es mich ins Zürcher Oberland, wo ich auch meine Frau kennen lernte. Mittlerweile sind wir glücklich verheiratet und haben 3 Kinder.

Beruflich bin ich in der Informatik zu Hause und arbeite in einer kleinen Firma im Bankenumfeld. 

Die Fotografie ist seit vielen Jahren der Gegenpol zu meinem Beruf. Zurzeit leite ich auch einen Fotoclub, in dem ich viele nette Menschen kennenlernen durfte.

Ich würde mich als vielseitig interessierten Menschen mit handwerklichem Geschick bezeichnen, all das kommt mir sicher auch in der Fotografie zugute.

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Wie und wann hast Du mit der Fotografie angefangen? Was hat Deine Leidenschaft für die Fotografie ausgelöst?

Mit 10 Jahren hat mir mein Patenonkel eine Kamera geschenkt... Das interessiert doch niemanden, oder? Im Jahr 2001 schenkte mir meine Frau einen Fotokurs. Der hatte es in sich und war eines der besten Geschenke, die sie machen konnte. Sie wollte mich damit weg vom PC locken, was gründlich misslungen ist, denn heute legen nur noch wenige Fotografen Filme in die Kamera. Trotzdem erweiterte dieser Kurs meinen Horizont deutlich. Ich lernte den leider verstorbenen Berufsfotografen Guy Bernhard kennen, der mir zeigte, dass ich Augen im Kopf habe. Ich würde sagen: das war die Grundlage für meine Fotografie! Guy zeigte mir, dass ich Sehen lernen sollte... Seither übe ich. Ich fotografiere also um zu sehen!

Gibt es während Deiner gesamten fotografischen Karriere etwas, das Dich geprägt hat?

Sehen lernen! Dafür bin ich Guy Bernhard unendlich dankbar. Ich glaube, ich kann in der Fotografie meinen Beruf auf einer ganz anderen Ebene ausleben. So kann ich z.B. meine Fähigkeit zur Analyse in meine Fotografie einbringen und komme so zu brauchbaren Ergebnissen.

Hast Du Vorbilder? Wenn ja, erzähl uns doch, warum gerade diese/r Fotograf/in Dein Vorbild ist.

Ich würde es nicht Vorbilder nennen, denn Vorbilder sind Bilder und Bilder hängt man... Aber es gibt schon Fotografen, die mich sehr inspirieren. Natürlich gibt es die grossen Fotografen, die tolle Bilder gemacht haben, aber ich möchte hier diese Fotografen nennen, die mich mehr berühren:
Eberhard Schuy: Mich beeindruckt, wie er mit einer Beharrlichkeit sein Motiv sucht, dafür kämpft und sich selber unglaublich treu bleibt.
Uli Staiger: Ich bin erstaunt, wie man mit solchen Ideen dermassen auf dem Teppich bleiben kann.
Frank Kunert: Auch hier fasziniert mich die Akribie, die Beharrlichkeit, die Sturheit, die Limite und dennoch die unglaubliche Freiheit mit einem faszinierenden Humor. Er hält mit seinen Arbeiten der Gesellschaft auf eine gute Art den Spiegel hin.

Erinnerst Du Dich an das erste Foto, das Du gemacht hast und auf das Du wirklich stolz warst?

Vielleicht. Das ändert sich ja, weil man immer mal wieder ein Bild macht, auf das man stolz ist und das dann das vorangegangene in den Hintergrund tritt. Es war eine Rose, die ich für eine Weihnachtskarte in der Blumenvase versenken wollte. Stolz hat mich gemacht, dass ich viele positive Rückmeldung bekommen habe. Aber die für mich wichtigste Rückmeldung kam damals von Guy Bernhard.

Wenn Du Deine aktuellen Arbeiten mit Deinen ersten Fotos vergleichst: Was fällt Dir auf? Was hast Du in dieser Zeit für Dich gelernt?

Am Anfang stand die Technik im Vordergrund. Einerseits ist es logisch, gleichzeitig aber auch fatal. Dann waren es die ersten Gehversuche zu sehen. Heute ist es mehr die Konzeption und die Aussage, die ein Foto machen sollte. Manchmal ist es auch ein Spiel mit den Möglichkeiten, die man in der Fotografie hat.

Gibt es ein bestimmtes Genre, das Du bevorzugst? Wie würdest Du den Stil Deiner Fotos beschreiben?

Ich inszeniere gerne Frauen in der Natur. Ich würde den Stil als ruhig, manchmal ungewöhnlich und durchaus auch als konzeptionell bezeichnen. Ich habe den Anspruch, dass man oft etwas länger auf meine Bilder schauen muss um sie zu verstehen. Ich möchte meine Bilder sauber gestalten, sauber ausführen. Ich habe eine Liebe zum Detail, zu rostigen Gegenständen, zu Kleinigkeiten im Alltag. Ich schneide oft schon bei der Aufnahme eng und ich lasse oft das Umfeld weg oder reduziere es.

Verfolgst Du bei der Aufnahme Deiner Fotos einen kreativen Prozess oder kommen sie immer natürlich zustande und hängen vom Moment und der Situation ab?

Ich verfolge bei der Aufnahme einen kreativen Prozess. Sehr oft, vor allem wenn ein Thema vorgegeben wird, erarbeite ich die Aufnahme konzeptionell und habe dann ein Bild meist im Kopf, das ich dann suchen gehen muss oder es mir selbst arrangiere. Der Moment und die Situation sind oft störende Elemente. Natürlich gibt es glückliche Zufälle, so dass ein Shooting in einem Tobel mit der Sonne genau dort dann zur Fügung wird. Ich glaube immer weniger an den Zufall, an den glücklichen Moment, der zufällig vor die Linse hüpft. Eine gute Vorbereitung hilft dem Bild deutlich mehr als die Hoffnung auf einen guten Moment.

Möchtest Du Deine Fotoausrüstung beschreiben? Was verwendest Du normalerweise, was sind Deine Präferenzen in Bezug auf die Ziele?

Meine Fotoausrüstung ist ziemlich beliebig. Ich fotografiere mit einer Vollformatkamera, wenn ich im Studio oder an einem fixen Ort arbeite. Unterwegs z.B. auf Reisen arbeite ich mit einer APS-C-Kamera. Anfangs waren für mich Zoomobjektive mit der lückenlosen Abdeckung der Brennweiten wichtig. Heute bevorzuge ich eindeutig Festbrennweiten, die mich zwingen meinen Hintern zu bewegen. Ich bin dadurch viel näher am Motiv dran. Wichtig ist für mich eine gewisse Improvisation mit den vorhanden Mitteln. Damit geht es nahtlos über in die Gestaltung der Bilder, die oft auch etwas Improvisation benötigen.

Erzähl uns eine seltsame, lustige oder andere „fotografische „ Anekdote, die Du erlebt hast.

Warum kommen Modelle und Begleitpersonen mit untauglichen Schuhen trotz gegenteiliger Aufforderung zum Shooting? Ein Modell erschien zum Shooting in den Bergen mit knallroten Flipflops. Sehr schön: sie hatte eine rote Plastikblume zwischen den Zehen, aber wir konnten die Location nicht erreichen.

Gibt es ein Foto, das Du gerne gemacht hättest, das Du aber noch nicht aufnehmen konntest?

Eines? Hunderte! Als ehemaliger Reisemuffel unternehme ich gerne kleinere Reisen z.B. ins nahe Ausland. Es geht mir weniger um die Sehenswürdigkeiten, die sicher alle irgendwie interessant sind, aber Eigenschaften gemeinsam haben: sie sind vorgegeben (weshalb soll jetzt ausgerechnet dieser Turm, diese Kirche oder dieser Platz besonders sein?), sie sind überlaufen (in jedem halbwegs brauchbaren Führer steht's drin), sie sind "herausgeputzt", sollen so die Visitenkarte darstellen und sie werden meist kommerziell verwertet. Viel mehr bin ich auf der Suche nach meiner eigenen Sicht auf die Stadt, die Landschaft oder was immer es auch ist. Ob meine Entdeckung so neu dann (nicht) sind, steht auf einem anderen Blatt. Sehr oft hätte ich gerne ein passendes Modell dabei und hätte gerne die eine oder andere Aufnahme gemacht. Aber Träumen darf man ja im Urlaub...

Was war oder ist Deine größte fotografische Herausforderung?

Die Herausforderung ist immer, mich selbst mit meiner Umwelt und den vorhanden Mitteln in Einklang zu bringen. Dabei sollte man sich immer Ziele stecken, die erreichbar sind und die nicht utopisch sind, aber die halt so hoch gesteckt werden, dass man sie nicht "einfach so" erreichen kann, dass man sich anstrengen muss. Dabei immer einen Schritt nach dem anderen zu machen und dabei nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren, das ist glaube ich die Herausforderung auch in der Fotografie.

Was sind die Eigenschaften, die Deiner Meinung nach ein gutes Foto ausmachen?
  • Form - Gestaltung mit Form und Farbe
  • Gefühl - Gefühle auslösen oder vermitteln
  • Geschichte - Geschichten erzählen, Aussage machen
  • Persönlichkeit - Aussage des Bilds über den Autor

Eigentlich ganz einfach, oder?

Welches der Fotos, die Du in die fotocommunity hochgeladen und präsentiert hast, ist bei den Nutzern am beliebtesten und warum denkst Du, ist das so?

Man könnte hier eine Diskussion starten, welches denn mein beliebtestes Foto in der FC ist, was es schwer macht, eine einigermassen objektive Antwort zu geben. Netterweise wurden schon mehrfach Bilder von mir auf der Startseite gezeigt und dann gehen die Zahlen natürlich nach oben. Tatsächlich werden meine Aktbilder am meisten angeschaut. Ich gehe davon aus, dass hier das Motiv "Mensch" und die entkleidete Frau zieht.

Arbeitest Du gerade an einem neuen Projekt? Erzähl uns von davon.

Aufgrund meiner Ausbildung und meiner beruflichen Tätigkeit empfinde ich das Wort Projekt als überstrapaziert. Schliesslich soll man ein Projekt nur dann als solches bezeichnen, wenn es eine gewisse Komplexität und Planung voraussetzt. Ein Haus bauen würde ich als Projekt bezeichnen... Es gibt immer wieder parallele Fotoaufgaben, die ich bewältige. Im Moment setze ich mit dem Club das Thema "urban" um. Wir haben etwa 20 konkrete Themen im Fokus und jetzt geht es darum, Prototypen zu fotografieren. Selber muss ich noch für unsere Ausstellung im November ein Bild zum Thema "die Schönheit des Lichts" umsetzen. Dann habe ich noch ca. 2 Laufmeter Ausstellungsfläche, die ich voraussichtlich mit dem Thema "Briefumschläge" umsetze. In meinem Kopf gibt es noch einige Ideen, die ich mit Notizen und Skizzen festhalte.

Hast Du einen Ratschlag, den Du jemandem mit auf den Weg geben möchtest, der mit der Fotografie gerade erst beginnt?

Lerne gründlich die Grundlagen wie ISO, Zeit, Blende und lasse sie dann möglichst schnell hinter dir, indem Du Dich auf das konzentrierst, was Du siehst und selbst gestalten möchtest.

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